Die Amsel
Erkenne das Heilige im Einfachen.
Wenn du aufhörst, dich selbst zu übersehen
Ich bin keine Seltenheit. Du findest mich überall. Auf dem Rasen vor deinem Haus. Im Gebüsch am Wegesrand. Zwischen den Dingen, an denen du achtlos vorübergehst.
Ich trage kein schillerndes Gefieder. Kein Zeichen, das mich besonders macht. Und doch bin ich da. Mit beiden Füßen in dieser Welt. Ich hüpfe über den Boden und wühle im Laub, auf der Suche nach Nahrung.
Wenn der Tag leiser wird, erhebe ich meine Stimme. Meine Melodie ist einfach da. Ohne Anspruch – und doch erfüllt sie den ganzen Raum.
So wie die Liebe, die in dir lebt. Du glaubst vielleicht, du seist nichts Besonderes.
Zu still. Zu alltäglich. Zu gewöhnlich. Doch genau dort liegt sie verborgen.
Nicht im Außergewöhnlichen. Sondern in dem, was immer da ist. In dem, was du so leicht übersiehst, weil es dir zu vertraut ist. Sie zeigt sich nicht, wenn du danach suchst, jemand anderes zu sein. Sie zeigt sich, wenn du aufhörst, dich selbst zu übersehen.
***
Ich bin die Amsel – wenn ich dir begegne, halte einen Moment inne. Nicht, weil ich selten bin. Sondern weil ich es nicht bin.
Erkenne das Heilige im Einfachen. Im Alltäglichen. In mir. In dir.
Tiefer innerer Frieden ist kein ferner Weg. Er benötigt kein Wissen, das nur wenigen zugänglich ist. Kein Ritual, das dich würdig macht. Er beginnt dort, wo du stehst. Mit beiden Füßen auf dem Boden deines Lebens.
Er zeigt sich in der Art, wie du dich selbst ansiehst. In der Güte, mit der du anderen begegnest. In dem Respekt vor dem heiligen Leben, das in allem wohnt.
Erkenne, die Liebe, die du so lange übergangen hast. In dir.
Deine Amsel