Der Wanderfalke
Nur wenn du loslässt, kann der Wind dich tragen.
Fallen lassen
Ich bin das schnellste Lebewesen der Welt. Im Rausch der Geschwindigkeit existiert nur der Moment – nur mein Ziel, meine Beute. Mit 380 km/h stürze ich aus der Höhe herab. Jeder Flügelschlag, jede Bewegung kristallklar. Volltreffer. Alles fügt sich. Weil ich die Kontrolle loslasse und mich dem Wind ganz hingebe.
Ich ernähre mich von kleinen bis mittelgroßen Vögeln, die ich in der Luft erbeute. Für Menschen wäre mein Flug tödlich. Die G-Kräfte, würden sie zerreißen. Doch für mich sind sie Leben, Spiel, Freiheit. Doch nicht nur die Jagd erfüllt mich – es ist die Weite des Himmels, die mich trägt. Hoch oben kreise ich, frei und leicht, den Wind unter den Flügeln, den Horizont als meine Grenze.
***
Ich bin der Wanderfalke – und der Himmel ist mein Reich. Hier, in dieser grenzenlosen Weite, kann ich alles sein, was ich bin. Weil ich mich vom Wind tragen lasse – und du darfst es auch.
Du darfst loslassen - den festen Griff der Kontrolle. Sie gibt dir keine echte Sicherheit – sie hält dich zurück. Wie eine angezogene Handbremse, die dich daran hindert, in deine volle Kraft zu kommen.
Solange du festhältst, kämpfst du gegen den Wind. Er zerrt an dir, bringt dich aus dem Gleichgewicht.
Doch in dem Moment, in dem du loslässt, dich fallen lässt, geschieht etwas anderes: Du spürst, dass du vom Wind getragen wirst. Du beginnst zu fliegen.
Wenn du dich dem Leben anvertraust, statt festzuhalten, wirst du spüren, wie sich etwas in dir löst. Wie dein Körper weicher wird, weiter, freier. Wie sich Leichtigkeit in dir ausbreitet. Ein intensives Gefühl der Erleichterung und Befreiung.
Dass das Leben mit dir wirkt, nicht gegen dich.
Dein Wanderfalke